Todkranke pflegen. Aber nicht auf Kosten der eigenen Gesundheit.

Jede glückliche Beziehung lebt nicht zuletzt im Abwägen von Nähe und Distanz. Es ist nicht immer einfach, die richtige Balance zu finden. Was in Tagen voller Zuversicht und Freude schon schwer genug ist, wird es erst recht in den Tagen des Abschieds, wenn der nahe Tod des geliebten Menschen sich ankündigt.

Es ist menschlich, nur allzu menschlich: Wer in seinem Leben zusammen durch Dick und Dünn gegangen ist, wer gemeinsam Schwieriges überstanden und Schönes erlebt hat, der lässt sich angesichts des Todes nur ungern trennen; auch wenn es nur für Stunden ist. Die restlichen Wochen und Tage werden kostbar. Sind meist aber auch sehr belastend. Psychisch und physisch gleichermassen.

 

Vorsicht vor dem Burnout

Jeder Motor läuft nur solange, wie er Treibstoff im Tank hat. Ist der Tank leer, steht er still. Ähnlich verhält es sich mit Menschen, die an die Grenzen ihrer eigenen Leistungsfähigkeit gehen. Ihre Akkus leeren sich von Tag zu Tag. Da sie über keine Anzeige wie beim Auto verfügen, erkennen sie die drohende Gefahr nicht oder zu spät. Und noch ehe sie sich's versehen, kommt es zum Zusammenbruch. Nichts geht mehr. Sie sind ausgebrannt – neudeutsch formuliert: Sie haben ein Burnout.

Anzeichen einer drohenden Erschöpfung gibt es viele – man muss sie aber erkennen. Schlafstörungen zählen selbstverständlich dazu. Und andere bekannte Symptome, wie Lustlosigkeit, Antriebsschwäche, Gereiztheit und viele mehr. Alarm sollten vor allem aber auch Schmerzen auslösen, die einem einerseits völlig unbekannt oder die einem zwar bekannt, aber noch nie in dieser Heftigkeit aufgetreten sind. Das können sein Kopf- oder Rückenschmerzen, Gelenk-  und Gliederschmerzen. Aber selbstverständlich jede andere Art von Schmerzen auch.

 

Was also ist zu tun?

Behalten Sie Platz für sich frei. Gerade so, wie Sie es früher taten. Schaffen Sie sich neben der Pflege, neben den Gesprächen – die manchmal auch sehr aufwühlend und schwierig, weil möglicherweise von Vorwürfen begleitet sind – Freiräume, in den Sie durchatmen und sich frei bewegen können. Das ist ganz wichtig. In der Distanz gewinnt man Nähe. 'Da sein' braucht nicht immer das physische vor Ort sein. Das 'Da sein' kennt viele Möglichkeiten, sich zu manifestieren.

Kraft tanken wir Menschen dort, wo wir uns wohl fühlen – in dem wir das tun, was wir gerne tun. Nun ist es eine Krux, dass just in der Zeit, wo es uns sehr schlecht geht, das, was uns bis anhin in unserem Leben so viel Freude bereitet hat, ausgerechnet jetzt keine Freude bereitet. Was tun, wenn die gewohnte 'Tankstelle' die so dringend gebrauchte Energie nicht mehr liefert? Es gilt eine neue 'Tankstelle' zu suchen und zu finden; Neues zu entdecken. Das ist möglich – auch im Ausnahmezustand.

Freundinnen und Freunde (selbstverständlich auch professionelle Institutionen) können helfen, unbekannte Wege zu erforschen, andere Interessen zu wecken, die Routine zu verlassen und in neue Gefilde vorzudringen. Nicht einfach – aber machbar. Unerlässlich vor allem für alle, die nicht Gefahr laufen wollen, ausgebrannt und erschöpft, zum Pflegefall zu werden.