Papa, wo bist Du?

Für Kinder ist das Sterben, der Tod noch weniger zu verstehen, als für Erwachsene. Kindern das Unbegreifliche zu erklären, fällt schwer, ist eigentlich gar nicht möglich. «Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen», sagt der Philosoph Ludwig Wittgenstein. Trotzdem: Kinder stellen Fragen. Und haben Antworten verdient.

 

«Papa, wo bist Du?» heisst der Titel des Kinderbuches von Uwe Saegner zu Tod und Trauer und über den allzu frühen Verlust des eigenen Vaters. Die Antwort könnte lauten: «Er ist ein Engel geworden.» Und schon steht die nächste Frage im Raum: «Und wann kommt er wieder?». Es ist die kindliche Naivität, die nicht logisch fragt, sondern vor allem Wünsche formuliert.

 

Papa

 

Rund zweitausend Kinder verlieren in der Schweiz jedes Jahr einen Elternteil durch einen frühen Tod. Eine wichtige Rolle spielt die Familienplanung: Mann und Frau verschieben das Vater- und Mutterwerden immer weiter nach hinten. Das verspätete Familienglück ist Teil der Karriereplanung. Mit der grösseren sozialen Absicherung, der stetig wachsenden Lebenserfahrung, steigt aber auch das Risiko, seine Kinder möglicherweise nicht bis zur Volljährigkeit begleiten zu können.

 

 

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

 

Bilderbücher sind sehr oft das geeignete Medium, um vor allem Kleinkindern Inhalte zu vermitteln. Starke Illustrationen helfen den Kleinen, sich in anderen Welten zu verlieren. Sie geben ihnen die Möglichkeit, zu erfahren, dass sie nicht allein sind, im Nichtverstehen warum die Mutter oder der Vater plötzlich nicht mehr für sie da sind. Stimmungsvolle Darstellungen geben Kleinkindern die Chance, sich ein Bild vom Werden, Leben, Vergehen und schliesslich vom Tod zu machen.

 

Der Schriftsteller Uwe Timm schreibt: «Die Angst vor dem Verlassenwerden, vor dem Ausgesetztsein, ist eine Urangst jedes Kindes. Das Weinen ist Zeichen dieser Urangst, ein Ruf nach Hilfe und Tröstung.» Es darf geweint werden. Zusammen mit den Kindern. Kleinkinder brauchen keine Supermami oder Superdaddy, die alles managen. Kinder brauchen Erwachsene an ihrer Seite, die das Thema Tod, sei es aus eigener Überforderung oder aus dem Gefühl und der Angst heraus, das eigene Kind zu überfordern, nicht tabuisieren.  

 

 

Wegbegleiter durch die Trauer

 

Kinderbücher gehen mit den Kindern Hand in Hand durch die schwere Zeit der Trauer. Kinderbücher mit ihren Protagonisten zeigen sich sehr oft als treue Begleiter, die den Kleinen manchmal über Jahre hilfreich zur Seite stehen.

 

Kinder können den Übergang vom Leben in den Tod durchaus als eine abenteuerliche Reise verstehen. Drüben ist zwar alles unbekannt und auch unheimlich. Die Engel aber oder das mutige und freundliche Fabelwesen begleiten Papa auf seiner Reise. Sie sehen: Er ist nicht allein. Er entdeckt Neuland in starker Begleitung. Das Nichtalleinsein ist den Kindern wichtig. Nicht nur für sich selber, nein auch für geliebte andere Menschen. Die tote Mutter, der tote Vater sollen nicht allein sein! Sie sollen beschützt sein und Dinge um sich haben, die sie im Leben mochten. Papi braucht im Himmel ein schnelles Auto, Mami die vielen Bücher aus der Bibliothek. 

 

Kinder stellen viele Fragen. Nicht alle können beantwortet werden. Nicht alle müssen beantwortet werden. Im Umgang mit dem Tod sind alle überfordert. Auch der kleine rosa Elefant, der im Bilderbuch von Monika Weitze für Kleinkinder ab drei Jahren erzählt, wie er einmal sehr traurig gewesen ist, weil er seinen liebsten Mitelefanten verloren hat, und wie es gekommen ist, dass es ihm wieder gut geht.