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Die Testamentseröffnung

Ein Testament enthält den letzen Willen des Erblassers und führt aus, wie er über seine Vermögenswerte verfügen möchte. Es kann sich dabei um ein öffentliches oder ein eigenhändiges Testament handeln. Ein öffentliches Testament wird bei einem Notar oder einer Behörde aufbewahrt, so dass der Prozess der Testamentseröffnung nach Kenntnisnahme des Todesfalls automatisch in Gang gesetzt wird. Wurde ein eigenhändiges Testament privat aufbewahrt, so ist derjenige, in dessen Besitz es sich befindet, dazu verpflichtet, dieses bei der Erbschaftsbehörde zur Eröffnung einzureichen.

Mit der Testamentseröffnung soll sicher gestellt werden, dass der Nachlass auch so abgewickelt wird, wie es der Erblasser beabsichtigt hat, zudem wird so garantiert, dass alle gesetzlichen Erben mit einem Anspruch auf einen Pflichtteil auch berücksichtigt werden. Bei der Testamentseröffnung werden alle Erben sowie eventuelle Willensvollstrecker über den Inhalt des Testamentes informiert.

Vorgehensweise bei der Testamentseröffnung

Die Testamentseröffnung erfolgt von Amts wegen, es ist also kein besonderer Antrag dazu zu stellen. Ein öffentliches Testament liegt den Behörden schon vor, ein eigenhändiges Testament ist dort einzureichen.

  • Ermittlung der Erben
    Die Behörde ist verpflichtet, alle Personen und Organisationen, die im Testament bedacht wurden, zu ermitteln. Zusätzlich werden immer die gesetzlichen Erben ermittelt, unabhängig davon, ob sie im Testament explizit erwähnt wurden oder nicht. Da die Ermittlung der Erben manchmal einige Zeit in Anspruch nehmen kann, ist es sehr hilfreich, wenn die Erben die Behörde mit den ihnen bekannten Informationen unterstützen.

  • Benachrichtigung der Erben
    Wurden alle Erben ermittelt, so werden diese vom Gericht schriftlich benachrichtigt. In einigen Kantonen findet dann eine Verhandlung zur Testamentseröffnung statt, in anderen Kantonen werden die relevanten Informationen nur schriftlich zugestellt. Alle Erben erhalten dabei eine beglaubigte Kopie des Testamentes, Vermächtnisnehmer erhalten eine Kopie des sie betreffenden Abschnittes des Testaments. Zusätzliche erhalten alle ein gerichtliches Urteil mit Erläuterungen.

Die Eröffnung des Testamentes hat innerhalb eines Monats statt zu finden. Diese Frist kann durchaus überschritten werden, wenn die Ermittlung aller Erben sehr zeitaufwändig ist. Die Eröffnung bildet zudem die Grundlage zur Beantragung eines Erbscheines, der notwendig ist, um schon vor der endgültigen Abwicklung auf Vermögenswerte zu zugreifen, um zum Beispiel Rechnungen zu begleichen. Die Kosten für die Testamentseröffnung werden aus dem Nachlass bestritten. Sie liegen zwischen 100 und 7.000 Franken, je nachdem, wie gross der Aufwand des Gerichtes bei der Ermittlung der Erben, der Zustellung der Benachrichtigungen und die Höhe des Erbschaftsvermögens sind.

Mit der Testamentseröffnung beginnen auch diverse Fristen zu laufen. So haben gesetzliche Erben – das sind der Ehepartner / eingetragene Lebenspartner und die Nachkommen des Erblassers - die Möglichkeit, gegen ein Testament Einspruch zu erheben, falls es ihnen nicht rechtmässig erscheint. Diese Frist beträgt zum Beispiel einen Monat, danach ist das Recht zum Einspruch verfallen. Auch die Frist für die Ausschlagung des Erbes beginnt mit der Testamentseröffnung, sie beträgt drei Monate. Die Ausschlagung kann dann sinnvoll sein, wenn die Schulden des Erblassers sein Vermögen übersteigen. Für die Beantragung eines öffentlichen Inventars beträgt die Frist nach der Testamentseröffnung einen Monat.