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"Nein danke, ich verzichte!" – das Erbe ausschlagen

Wer eine schöne Immobilie erbt, der mag sich im ersten Moment darüber freuen. Ein böses Erwachen kann es geben, wenn er feststellt, dass die Immobilie finanziell stark überbelastet ist. Womöglich stehen gar noch dringende Reparaturen an. Wer das Erbe akzeptiert, bekommt immer das ganze Paket: das vorhandene Vermögen, aber auch die Schulden. Nur die Schulden ausschlagen geht nicht. Entweder oder: Alles oder nichts.

In den allermeisten Fällen akzeptieren die Erben die Erbschaft. Es gibt aber gute Gründe, eine Erbschaft auszuschlagen. Diese sind unterschiedlichster Natur. Dass man keine Schulden erben will, für die man dann geradestehen muss, ist sicher am häufigsten. Man kann aber auch ein lukratives Erbe ausschlagen, zum Beispiel wenn man aus steuertechnischen Gründen will, dass die Vermögenswerte direkt den nächstfolgenden Erbberechtigten zufallen, den Kindern oder den Enkeln.

 

Wer auf die Erbschaft verzichten will, muss diese fristgerecht und schriftlich ausschlagen.

In der Regel beträgt die Frist für eine Ausschlagung drei Monate. Gerechnet ab dem Todestag des Erblassers oder ab dem Datum, an dem die Erben vom Tod erfahren. Wurde ein Inventar aufgenommen, läuft die dreimonatige Frist erst ab Zustellung des Inventars. In Ausnahmefällen kann die Frist verlängert werden. Grundsätzlich aber gilt: Wer die Frist zur Ausschlagung verpasst, akzeptiert das Erbe. Grundsätzlich aber gilt auch: Wer das Erbe ausschlägt, kann zu einem späteren Zeitpunkt keine Ansprüche mehr geltend machen.

Wer sein Erbteil ausschlagen will, darf sich unter keinen Umständen in die Erbangelegenheiten einmischen. Ein unbedachtes Verschenken oder Weggeben schon des kleinsten Gegenstandes aus der Erbmasse (beim Räumen der Wohnung zum Beispiel) gilt als Einmischung. Wer so handelt, verwirkt sein Recht auf Ausschlagung des Erbes.

Dinge, die unbedingt erledigt werden müssen, dürfen natürlich auch von Erben, die ihr Erbe nicht antreten wollen, erledigt werden. Das Bezahlen von fälligen Rechnungen zum Beispiel.

Wie auch immer: Der Zuzug eines Rechtsbeistandes sollte bei der Ablehnung einer Erbschaft in Erwägung gezogen werden. Es gibt viele strittige Ausnahmefälle. So hat das Bundesgericht zwei Erbinnen im Nachhinein ihr Erbrecht wieder zuerkannt, nachdem sie sich zuerst auf einen Erbverzicht geeinigt, dann aber, als bekannt wurde, dass doch Vermögenswerte vorhanden sind, nachträglich ihren Anspruch wieder geltend gemacht haben. Der wesentliche Irrtum war für das Gericht ausschlaggebend.  

Autor: haug, wiezel: publikationen