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Das Erbe

Ein Todesfall in der Familie ist für die meisten Menschen zuerst einmal eine grosse emotionale Belastung. Dazu kommen auch ganz praktische Belastungen, muss man sich doch recht zeitnah um die Belange des Verstorbenen und um das Erbe kümmern. Besonders letzeres kann eine Quelle zusätzlicher Belastungen darstellen, denn nur zu oft kommt es wegen des Erbes zu Streitigkeiten unter den Erben, besonders dann, wenn kein Testament vorliegt.

Das Recht, zu seinen Lebzeiten darüber zu verfügen, was nach dem Tod mit dem Vermögen geschehen soll, ist schon sehr alt. So wurde schon vier Jahrhunderte nach Christi Geburt im römischen Reich dem Bürger zugestanden, dass er seine Vermögenswerte nach eigenem Gutdünken verteilen kann. Allerdings wurde dieses Recht immer wieder durch staatliche Eingriffe zum Teil reglementiert. So gab und gibt es zum Beispiel die Regelung über Pflichtteile, die die engsten Verwandten betreffen und beachtet werden müssen, damit die Familie nach dem Tod des Erblassers auf jeden Fall berücksichtig wird. Auch eine Enterbung von gesetzlichen Erben macht der Gesetzgeber sehr schwer, um zum Beispiel reine Rachsucht an geschiedenen Ehepartnern oder Kindern aus einer früheren Ehe auszuschliessen.

Auch privat kann man die Verfügung über das Erbe reglementieren. So gab es früher den sogenannten Fideikommiss, der bestimmte Teile des Familienvermögens als unveräusserlich festlegte und dessen Niessbrauch nur einem Haupterben zustand. So wollte man erreichen, dass zum Beispiel ein Gut oder ein Landsitz nicht auf mehrere Erben überging und so zersplittert werden konnte. Auch heute noch kann man durch Familienstiftungen und andere Konstrukte etwas Ähnliches erreichen.

Begriff des Erbes

Unter dem Begriff Erbe kann man alle Vermögenswerte verstehen, deren Eigentümer der Erblasser zum Zeitpunkt des Todes war. Hinzu kommen aber auch zukünftige Werte, die sich zum Beispiel aus der Verwertung von Musik oder Literatur ergeben. Hier wird also der Rechtsanspruch auf die Profite aus dieser Verwertung vererbt, die erst in der Zukunft anfallen werden.

Zum Erbe gehören natürlich auch alle Verbindlichkeiten, die der Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes hatte – man erbt also auch die Schulden. Da diese manchmal die Vermögenswerte deutlich übersteigen können, hat der Gesetzgeber die Möglichkeit eingeräumt, ein Erbe auszuschlagen. So schützt er die Nachkommen davor, für die Sünden der Väter mit dem eigenen Vermögen büssen zu müssen, wie es früher der Fall war.

Feststellung der Erbmasse

Die Feststellung des Vermögens des Erblassers kann im Einzelfall heutzutage sehr schwierig werden. So befinden sich vielleicht Immobilien oder Kunstwerke in der Erbmasse, deren Wert erst einmal ermittelt werden muss. Auch bestehen manchmal Depots oder Konten, die den Erben nicht bekannt waren, oder das Vermögen ist in Aktien gebunden, deren Wert ständig schwankt. Daher kann es ein recht komplizierter Prozess werden, das bestehende Vermögen zu ermitteln.

Noch komplizierter kann es werden, wenn das Erbe auch ein Unternehmen beinhaltet. Hier ist die Wertermittlung noch schwieriger, und eine gerechte Verteilung der Erbteile kann sehr kompliziert werden. Zudem sind auch noch Beträge zu berücksichtigen, die schon zu Lebzeiten hergegeben wurden, da diese den Anteil eines bestimmten Erben beeinflussen können. Deshalb kann es bei einem komplizierten Fall einige Zeit in Anspruch nehmen, bis das konkrete Erbe und seine Verteilung endgültig ermittelt werden konnten.