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Selber gehen. Über die Sterbehilfe

Den Zeitpunkt ihres Todes selber bestimmen, möchten immer mehr totkranke Menschen. Diesen Wunsch gilt es zu respektieren. Genauso aber auch gilt es den Wunsch derer zu respektieren, die bewusst auf Sterbehilfe verzichten möchten. Jeder soll unsere Erde so verlassen dürfen, wie er sich das wünscht.

Wer Sterbehilfe in Anspruch nehmen möchte, der sollte sich bei Zeiten damit auseinandersetzen. Zum Zeitpunkt seiner Willensäusserung muss er urteilsfähig sein und die Tragweite seines Entscheides begreifen können. So jedenfalls will es der Gesetzgeber.

Direkt – indirekt, aktiv – passiv: Die Sterbehilfe berührt grundsätzliche ethische und rechtliche Fragen

Die direkte-aktive Sterbehilfe

Wer den Tod eines Menschen, wenn auch auf dessen ausdrücklichen Wunsch, durch das Verabreichen von tödlichen Substanzen verursacht, der macht sich in der Schweiz strafbar. Der entsprechende Artikel 114 im Strafgesetzbuch besagt, dass wer auf Verlangen tötet, auch wenn die Beweggründe achtenswert sind, mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe belangt werden kann.

Die indirekte-aktive Sterbehilfe

Grundsätzlich ist in der Schweiz die indirekte-aktive Sterbehilfe erlaubt. Bei der indirekten-aktiven Sterbehilfe werden dem Patienten zum Beispiel Schmerzmittel in sehr hohen Dosen verabreicht. Diese wirken nicht unmittelbar tödlich, verkürzen aber sehr oft die Lebensdauer drastisch. Auch Ärzten ist es erlaubt, indirekte-aktive Sterbehilfe zu leisten.

Die passive Sterbehilfe

Die passive Sterbehilfe ist in der Schweiz erlaubt. Auch Ärzte dürfen passive Sterbehilfe leisten. Zur passiven Sterbehilfe gehört vor allem der Verzicht auf lebensverlängernde Massnahmen, wie die künstliche Ernährung und/oder das Aufrechterhalten der Funktion lebenswichtiger Organe. Wer keine Massnahmen will, die sein Leben künstlich verlängern, erklärt dies mit Vorteil in seiner Patientenverfügung.

Die Beihilfe zur Selbsttötung

Bei der Beihilfe zur Selbsttötung tötet sich der Sterbewillige selber. Der Sterbehelfer besorgt ihm lediglich das dazu notwendige Mittel. Wichtig zu wissen: Der Patient, die Patientin muss in der Lage sein, das Mittel selber einzunehmen. Es darf ihm/ihr nicht verabreicht werden. Sterbehelfer, die selbstsüchtig handeln, weil sie zum Beispiel einen schwerkranken Menschen loswerden wollen, um rascher an sein Erbe zu kommen, machen sich strafbar. Wer hingegen uneigennützig, aus Nächstenliebe und Mitleid handelt, hat keine Strafe zu befürchten.

Die Sterbehilfe ist ein weites Feld. Sich darauf sicher zu bewegen und allen moralischen, medizinischen und juristischen Anforderungen gerecht zu werden, ist nicht immer einfach. Das Thema wird aber gerade in der Schweiz heftig und kontrovers diskutiert. Direkt Betroffene, die im Zweifel sind, erkundigen sich mit Vorteil bei ihrem Hausarzt, einer Sterbehilfeorganisation oder bei der Akademie der medizinischen Wissenschaften in Bern (www.samw.ch).

 

Foto: Thinkstock

Autor: haug, wiezel: publikationen