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Die Ohnmacht mit der Vollmacht

Manchmal sind Vollmachten, auch wenn sie explizit so formuliert sind, dass sie nach dem Ableben des Vollmachtgebers ihre Gültigkeit behalten sollen, kaum das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. Speziell bei Bankvollmachten ist Vorsicht geboten. Oft wir der Witwe (oder auch dem Witwer) der Zugriff aufs Konto für Monate verweigert.

 

Es fällt schwer zu glauben, ist aber sehr oft so: Stirbt der Mann, hat die Frau oft keinen direkten Zugang mehr auf das Konto des Ehemannes. Obwohl dies vertraglich mit einer Bankvollmacht geregelt ist und über Jahre perfekt funktioniert hat.

 

Wie ist so etwas möglich? Zumal die Witwe der Bank gut bekannt ist. Sie hat die gemeinsamen Bankgeschäfte geregelt, die Zahlungen erledigt, stand in guter Beziehung zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bank. Jetzt, nach dem Tod des Ehegatten, soll nicht mehr gelten, was jahrelang Gültigkeit hatte.

 

Grundsätzliches vorneweg: Banken, die Auszahlungen nach dem Tod des Kontoinhabers verweigern – obwohl eine Bankvollmacht für eine Drittperson vorliegt, die über den Tod des Kontoinhabers hinaus Gültigkeit hat – handeln rechtens. Dazu muss man wissen, dass das Eigentum des Verstorbenen im Moment seines Todes automatisch an sämtliche Erbberechtigten übergeht. Das heisst, mit dem Tod tritt eine neue Situation ein.

 

Sämtliche Vermögenswerte gehen an die Erben nach den Vorgaben des Testamentes und im gesetzlichen Rahmen über. Wer erbberechtigt ist und wer nicht, darüber gibt der Erbschein Auskunft, den das Bezirksgericht der Wohngemeinde des Verstorbenen ausstellt. Je nach Grösse des Bezirks und der Arbeitsbelastung der Amtsstelle dauert es Monate, bis die Sachlage geklärt und alle Erben bekannt und benannt sind.

 

In dieser Zeit des Wartens ist keine Bank verpflichtet, Geld ab Konten der verstorbenen Person auszubezahlen. Der Gesetzgeber nimmt Geldinstitute gar soweit in die Pflicht, dass er sagt, die Banken müssten die Interessen sämtlicher neuer Vertragspartner, also aller möglicher Erben, wahren.

 

War das gemeinsam genutzte Konto, das auf den Namen des Verstorbenen lief, auch das gemeinsame Konto, aus dem sämtliche finanziellen Verpflichtungen beglichen wurden, kann es in den Monaten nach dem Todesfall für die Witwe finanziell ungemütlich werden. Zumal alle Verpflichtungen ja weiter laufen; und im Zusammenhang mit der Beerdigung sicher noch einige neue dazukommen.

 

Ein gangbarer Weg können sogenannte Gemeinschaftskonten sein. Doch auch hier gilt Vorsicht. Nicht alle Banken zahlen nach dem Tod von Mann oder Frau sofort weiter Geld aus. Die Geldinstitute sind auch bei Gemeinschaftskonten äusserst vorsichtig. Sie fürchten Klagen von übergangenen Erbberechtigten. Es gilt, sich noch zu Lebzeiten gut beraten zu lassen.

 

Gut beraten ist, wer zwei separate Konten führt. Unabhängig und losgelöst voneinander. Vollmachten können problemlos beidseitig erteilt werden. Getrennte Kassen, zumindest formal, lösen das Problem.

 

Autor: Haug, Wiezel